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Deutsch und Arabisch: Unterschiede verstehen und leichter lernen

Warum heißt es „die Sonne“, aber „der Mond“? Weshalb steht das Verb manchmal mitten im Satz und manchmal am Ende? Wenn du Arabisch sprichst und Deutsch lernst, begegnen dir einige ungewohnte Regeln. Der Vergleich beider Sprachen hilft dir, diese Unterschiede zu verstehen und gezielter zu üben. 

Dabei ist Arabisch nicht überall gleich: Modernes Hocharabisch wird beispielsweise in schriftlichen Texten und formellen Zusammenhängen verwendet. Im Alltag sprechen viele Menschen regionale Varianten, die sich in Aussprache, Wortschatz und Grammatik unterscheiden. Welche deutschen Strukturen dir vertraut vorkommen, hängt deshalb auch von deiner eigenen Sprachpraxis ab.

1. Schreiben: Andere Richtung, andere Gewohnheiten

Deutsch wird von links nach rechts geschrieben, Arabisch von rechts nach links. Auch die Buchstaben funktionieren unterschiedlich: Arabische Buchstaben haben je nach Position und Verbindung verschiedene Formen. Eine Unterscheidung zwischen Groß- und Kleinbuchstaben gibt es dagegen nicht. 

Ein weiterer Unterschied betrifft die Vokale: Kurze Vokale werden in gewöhnlichen arabischen Texten meistens nicht durch zusätzliche Zeichen angegeben. Das bedeutet jedoch nicht, dass Arabisch grundsätzlich ohne Vokale geschrieben wird. Lange Vokale werden üblicherweise durch Buchstaben dargestellt. 

Im Deutschen solltest du besonders auf die Großschreibung der Nomen achten: 

„Am Montag besuche ich einen Deutschkurs in Mainz.“ 

Lerntipp: Markiere in einem kurzen deutschen Text alle Nomen. Schreibe anschließend drei eigene Sätze und prüfe gezielt die Großbuchstaben.

2. Artikel: Das Geschlecht lässt sich nicht einfach übertragen

Arabisch unterscheidet zwischen männlichem und weiblichem grammatischem Geschlecht. Deutsch kennt zusätzlich das Neutrum: der, die, das. 

Das Geschlecht eines Wortes kann in beiden Sprachen unterschiedlich sein: 

Deutsch  Arabisch  Unterschied 
die Sonne  الشمس – asch-schams  In beiden Sprachen weiblich 
der Mond  القمر – al-qamar  In beiden Sprachen männlich 
das Buch  الكتاب – al-kitab  Deutsch sächlich, Arabisch männlich 

Der arabische bestimmte Artikel al- verändert sich nicht nach dem Geschlecht wie die deutschen Formen „der“, „die“ und „das“. 

Lerntipp: Lerne deutsche Nomen immer als kleines Paket: das Buch – die Bücher – Ich lese ein Buch. So verbindest du Artikel, Mehrzahl und Verwendung miteinander. 

3. "Ich bin müde": Im Deutschen braucht der Satz ein Verb

Ein wichtiger Unterschied zeigt sich bei einfachen Aussagen über Eigenschaften oder Berufe. Im Arabischen können solche Sätze in der Gegenwart ohne ein ausgesprochenes Verb für „sein“ auskommen: 

أنا متعب – sinngemäß: „Ich [bin] müde.“ 

Im vollständigen deutschen Aussagesatz gehört das Verb dazu: 

„Ich bin müde.“ 

„Meine Schwester ist Lehrerin.“ 

„Wir sind heute zu Hause.“ 

Wenn du „sein“ gelegentlich vergisst, kann das daran liegen, dass du eine vertraute arabische Satzstruktur überträgst. 

Lerntipp: Übe zusammengehörige Formen mit persönlichen Beispielen: „Ich bin …“, „Du bist …“, „Wir sind …“.

4. Satzbau: Auf die Position des Verbs achten

Arabisch erlaubt unterschiedliche Satzmuster. Sätze können beispielsweise mit einem Verb oder mit dem Subjekt beginnen. Welche Reihenfolge üblich ist, hängt auch von der Sprachvariante und der Aussage ab. 

Im deutschen Hauptsatz steht das konjugierte Verb normalerweise an zweiter Position. Damit ist das zweite Satzglied gemeint, nicht unbedingt das zweite Wort: 

„Ich lerne heute Deutsch.“ 

„Am frühen Morgen lerne ich Deutsch.“ 

In einem Nebensatz mit „weil“ steht es am Ende: 

„Ich besuche einen Kurs, weil ich Deutsch lernen möchte.“ 

Lerntipp: Unterstreiche beim Schreiben zuerst die Verben. Kontrolliere anschließend ihre Position. So prüfst du eine konkrete Regel, statt den ganzen Satz nur nach Gefühl zu beurteilen.

5. Aussprache: Neue Unterschiede hören lernen

Welche deutschen Laute schwierig sind, ist individuell verschieden. Die Umlaute „ö“ und „ü“ können ungewohnt sein. Auch die Unterscheidung zwischen „p“ und „b“ braucht je nach sprachlichem Hintergrund zusätzliche Übung. 

Arbeite mit kurzen Wortpaaren: 

Bein – Pein 

schon – schön 

musste – müsste 

Höre die Wörter zunächst an, bevor du sie nachsprichst. Nimm dich anschließend auf und vergleiche jeweils nur einen Laut. Bei arabischsprachigen Lernenden können sich die Aussprachegewohnheiten regional deutlich unterscheiden; nicht jede Person braucht dieselben Übungen.

6. Wortschatz: Muster in beiden Sprachen entdecken

Viele arabische Wörter gehören zu Wortfamilien, die auf gemeinsamen Wurzelkonsonanten beruhen. Die Wurzel k–t–b begegnet dir beispielsweise in Wörtern rund um Schreiben und Bücher. 

Im Deutschen entstehen viele neue Begriffe durch Zusammensetzungen: 

Sprache + Schule = Sprachschule 

Deutsch + Kurs = Deutschkurs 

Kurs + Gebühr = Kursgebühr 

Das letzte Wort bestimmt dabei das grammatische Geschlecht: die Schule → die Sprachschule. 

Lerntipp: Zerlege lange Wörter in kleinere Bestandteile. „Deutschkursanmeldung“ lässt sich leichter verstehen, wenn du „Deutsch“, „Kurs“ und „Anmeldung“ erkennst. 

Dein Sprachwissen als Lernhilfe nutzen 

Arabischkenntnisse sind eine gute Grundlage, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede bewusst zu entdecken. Notiere typische Stolperstellen und ergänze jeweils einen richtigen Beispielsatz. Bearbeite zunächst nur einen Schwerpunkt, etwa Artikel oder Verbposition. 

Für deinen Deutschunterricht an unserer Sprachschule in Mainz kannst du solche Beispiele mitbringen. Je genauer du weißt, was dich verwirrt, desto gezielter kannst du daran arbeiten.